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Wahl Vereinspräsident und Nachtrag Wintergrillen

 

Hallo Eintrachtler,

wir möchten Euch an unser Wintergrillen am kommenden Samstag ab 17 Uhr im Fanhaus erinnern, zu dem ihr herzlich eingeladen seid. Leider musste Alex Schur kurzfristig absagen, da er zu einem Hallenturnier muss. Wir haben aber mit Armin Kraaz (Leiter des Fußball-Leistungszentrums) einen Ersatz gefunden, der sicherlich ebenfalls sehr interessante Einblicke in die Nachwuchsarbeit unseres Vereins geben kann. Das Gespräch mit Armin wird gegen 18 Uhr beginnen.

Außerdem möchten wir uns noch mit einem anderen anstehenden Thema an Euch wenden:
Wie ihr sicherlich schon mitbekommen habt, wird am 25. Januar im Zuge der Mitgliederversammlung von Eintracht Frankfurt e.V. ein neuer Vereinspräsident gewählt. Wir möchten euch hiermit ein paar Hintergründe zu dieser Wahl darlegen, die (verbunden mit der allgemeinen Entwicklung in Fußball-Deutschland) eine große Bedeutung für uns als Fanszene hat. Dieser Text ist etwas länger ausgefallen, da das Thema nicht in 2 Sätzen zu fassen ist und die Tragweite einfach so enorm ist, dass sich eine eingehende Beschäftigung damit lohnt.

Mit der Wahl des Vereinspräsidenten wird eine entscheidende Weiche für die künftige Zusammensetzung des Vorstands der Eintracht Frankfurt Fußball AG gestellt. Denn: Der Vertrag von Heribert Bruchhagen als Vorstandsvorsitzenden läuft im Sommer 2016 aus. Die Frage, wer diese Position dann einnimmt und welches Gesicht der Vorstand in Zukunft hat wird im Aufsichtsrat der Fußball AG entschieden, der im Sommer diesen Jahres neu besetzt wird. Die Mitglieder des Aufsichtsrats wiederum werden von den Aktionären der Fußball AG bestimmt, also auch zu einem entscheidenden Teil von Eintracht Frankfurt e.V., dem Mehrheitsaktionär. Umgekehrt gesagt: der neu gewählte Vereinspräsident nimmt gleich zu Beginn seiner Amtszeit entscheidenden Einfluss auf die Personen, die künftig über den Vorstand der AG bestimmen. Und ab hier wird es für uns spannend – aber auch gefährlich.

Der zunehmende Wettbewerbsdruck im Profifußball zwingt die Entscheider in den Vereinen vermehrt darüber nachzudenken, wie man Strukturen und Strategien im Verein so aufstellt, dass ein mittel- und langfristiges Bestehen im Profifußball erreicht werden kann. Dazu zählen neben vielen anderen Dingen auch die Fragen, wie man die für dieses Vorhaben notwendigen finanziellen Mittel sichert und wie die Entscheidungsprozesse dorthin sind bzw. wie viel Mitbestimmung der Mitgliederbasis hierbei gewünscht ist. Ihr alle kennt die Diskussionen um die Werksvereine, die Mäzene, die Schein-Aufrechterhaltung von 50+1 durch das Durchwinken von sogenannten „Vereinen“ ohne Einfluss der Mitglieder, die Diskussion um die Verteilung der Fernsehgelder und und und. Wichtige Faktoren in diesem Spiel sind natürlich auch der Einstieg von Investoren oder die Beschaffung von Mitteln über Darlehen, die mit entsprechenden Sicherheiten bedient werden, was auch Anteile an der für den Profifußball zuständigen Kapitalgesellschaft sein können und die Besitzverhältnisse dramatisch verändert. 

Wir erleben in Deutschland gerade die ersten gravierenden strukturellen Auswirkungen dieser Entwicklung auf gewachsene Fanszenen. Hier muss man vor allem die beiden Beispiele Hannover 96 und Hamburger SV aufführen, bei denen sich die aktive Fanszene vom Profifußball abgewendet hat, weil sie sich entweder über Jahre im Kampf um Faninteressen mit einem Vereinspräsidenten aufgerieben hat und nur noch zu den Amateuren geht, oder aber dem Verein aufgrund der strukturellen Entwicklung komplett den Rücken kehrt und kurzerhand einen neuen Verein gründet. In beiden Fällen hat die aktive Fanszene vor den handelnden Personen und deren Einfluss in den Vereinen kapituliert. Das Ergebnis können wir nun Woche für Woche in den Stadien erleben (oder auch nicht-erleben) – ein Elend, wenn man sich vorstellt, dass uns das irgendwann auch blühen kann und dieses Szenario mitnichten unwahrscheinlich ist.

Wir wollen, dass es unter keinen Umständen auch in Frankfurt zu dieser Entwicklung kommt! Daher gilt es, diese Auswüchse mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln zu verhindern bzw. sicherzustellen, dass sich die Dinge in unserem Sinn entwickeln und unsere Eintracht die Fanszene behält, die sie verdient und die sie ausmacht.

Das ist jedoch nur möglich, wenn wir handelnde Personen im Verein und der Fußball AG haben, bei denen wir sicher sein können, dass diese im Sinne der Interessen der aktiven Fanszene handeln und mit denen ein konstruktiver Dialog möglich ist. Nur dann können wir unsere außergewöhnliche Fanszene auch noch in 5 Jahren aufrecht erhalten und müssen uns nicht entweder einem anderen Hobby zuwenden, ausschließlich die Spiele der U19 unterstützen oder uns einen neuen Verein aufbauen.

Wir haben es in Frankfurt in den letzten Jahren geschafft eine Situation zu erreichen, in der Fans sich im Rahmen der generellen Entwicklung so gut wie möglich wiederfinden können. Uns muss jedoch auch bewusst sein, dass dies kein natürlicher Zustand ist, sondern entscheidend von den Personen abhängt, die dafür verantwortlich sind. Und hierzu gehören neben den Verantwortlichen bei Eintracht Frankfurt e.V. in erster Linie der Vorstand der Fußball AG, der unser Ansprechpartner ist und mit dem ein konstruktives Arbeiten möglich sein muss.

Wir haben mit unserer Stimme am 25. Januar also einiges in der Hand, was für unsere Zukunft als Fanszene von grundlegender Bedeutung ist!

Daher möchten wir allen stimmberechtigten Vereinsmitgliedern unter euch nachdrücklich ans Herz legen, euch mit den beiden Kandidaten und den jeweils hinter ihnen stehenden Personen eingehend zu beschäftigen, euch über deren Interessen zu informieren, mit kundigen Leuten aus der aktiven Szene zu sprechen, am 25. Januar euren Hintern hoch zu bekommen und genau hinzuhören, wem ihr eure Stimme gebt. Sicherlich werdet ihr auch bei unserem Wintergrillen am 17. Januar ausreichend Gelegenheit zur Meinungsbildung haben. 

Für die Zukunft unserer lebendigen und emotionalen Fanszene,
Euer Nordwestkurve-Rat