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Stellungnahme zum Umgang mit Gästefans in Frankfurt

Nach den vergangenen Heimspielen unserer Eintracht mehren sich Aussagen von Gästefans, die eine unangemessene Behandlung in Frankfurt erleben. Zuletzt sind die Heimspiele gegen Hoffenheim und Nürnberg zu nennen. Hier gab es auch entsprechende Stellungnahmen der jeweiligen Gästefans.

Wir möchten an dieser Stelle gar nicht zu detailliert auf das Spiel gegen Nürnberg eingehen. Jedoch ist es für uns in einigen Vorgängen ein Paradebeispiel, wie eine öffentlich erzeugte Hysterie negativen Einfluss auf Vorgänge um ein Fußballspiel nehmen kann. Gerüchte über 200kg Pyrotechnik machten vor dem Spiel die Runde, sah man diese teilweise als belegt an, so finden sich in Nürnberg andere Aussagen, wie eine Stellungnahme der Nordkurve Nürnberg dokumentiert:
„…wir haben Neuigkeiten zu den Vorfällen in Frankfurt, denn auch am Nürnberger Einsatzleiter der Polizei, Herr Galler, gingen unsere Vorwürfe und die Forderung nach Aufklärung nicht vorüber. Dieser äußerte sich nun gegenüber einem Vereinsvertreter und ließ ausrichten:
Die Nürnberger Polizei hat Eintracht Frankfurt von dem Verdacht der 200kg Pyrotechnik in Kenntnis gesetzt, Tage vor dem Spiel aber auch wieder darauf hingewiesen, dass sich der Verdacht nicht erhärtet habe. Dies könne man auch belegen.“

Wir fühlten uns in diesen Tagen an unser Gastspiel in Leverkusen erinnert, bei dem ein Gerücht den Einsatz von Vollkontrollen bei weiblichen Eintracht-Fans rechtfertigen sollte. (Angeblich hatte ein besorgter Vater Indizien, dass die Freundin des Sohns in Leverkusen Pyrotechnik einschmuggeln wollte.)
Dass beim Spiel gegen Nürnberg die Wahrscheinlichkeit des Zündens von Pyrotechnik nach der Berichterstattung der Vortage des Spiels gegen Null tendierte, war hier wohl allen Verantwortlichen klar. Dennoch wurde das Verbot weiterhin aufrechterhalten. Ob hierbei die Polizei oder der Sicherheitsdienst von Eintracht Frankfurt federführend war, dazu gibt es widersprüchliche Angaben. Wo auch immer die Verantwortung liegen mag, geht es uns nicht darum jemanden an den Pranger zu stellen, sondern darum, in Zukunft solche Vorfälle zu verhindern.

Grundsätzlich möchten wir jedoch festhalten, dass wir das Anbringen von Zaunfahnen für einen unverzichtbaren Bestandteil von Fankultur halten. Ein farbenfroher Gästeblock ist auch bei unseren Heimspielen ein wünschenswerter Bestandteil der Atmosphäre im Waldstadion. Was wir bei unseren Spielen in der Fremde für unseren Gästeblock erwarten, muss auch für unsere Gäste gelten!
Wenn dabei das Verbot von Zaunfahnen unter Inkaufnahme von nachfolgenden Eskalationen aufrechterhalten wird, ist nach unserer Meinung keine Verhältnismäßigkeit mehr gegeben. Ein besonderes Negativbeispiel bietet – neben dem Spiel gegen Nürnberg – die Partie gegen den Karlsruher SC vor etwas mehr als einem Jahr. Damals führte das Verhindern des Anbringens mitgebrachter Banner im Block zu einer Auseinandersetzung im Gästeblock. Daraufhin betrat die Polizei den Gästeblock und versprühte großflächig Reizgas, welches im Gästeblock sowie den angrenzenden Blöcken der Ost- und Gegentribüne zu nahezu 100 Verletzten führte.

Ein weiterer von uns stark kritisierter Punkt sind die immer wieder aufkommenden Berichte über „unangemessene Durchsuchungen“ im Gästebereich des Waldstadions. Stichprobenartig werden Fans in einem gesonderten Raum genauer durchsucht. Diese Vorgehensweise bietet einigen Raum für „Legendenbildungen“ und Gerüchte und ist ähnlich gelagert wie die – auch von Eintracht Frankfurt selbst – stark kritisierten Zelte in München. Dass es diese Vorgehensweise gibt, kann als gesichert angesehen werden. Hierzu heißt es in der offiziellen Faninfo des 1.FC Nürnberg zum Spiel in Frankfurt: „Am Eingang zum Stehplatzblock 20 wird es zudem stichprobenweise eine zusätzliche Personenkontrolle geben. Hierzu wird ein Toilettenraum genutzt, in dem ein Mitarbeiter unseres Fan-Projektes oder der Fan-Betreuung anwesend sein wird. Eintracht Frankfurt weist ausdrücklich darauf hin, dass bei diesen Kontrollen lediglich die Jacken und/oder Schuhe ausgezogen werden müssen, keinesfalls wird es sogenannte "Vollkontrollen" geben.“

Hierzu wünschen wir uns mehr Informationen von Eintracht Frankfurt über Art und Umfang der Kontrollen. Wir sehen diese Vorgehensweise als unnötig und unverhältnismäßig an. Auch ein Ausziehen von Jacken und Schuhen ist, wie in anderen Stadien teilweise üblich, im Eingangsbereich möglich. Mit einer Ablagemöglichkeit für Jacken und einem „Teppich“, den man für die Zeit ohne Schuhe benutzen kann, ist diese Durchsuchung auch im offen einsehbaren Bereich durchführbar und nähme Eintracht Frankfurt aus der Kritik.

Im Zuge der Diskussion zum DFL-Sicherheitspapier hat sich Eintracht Frankfurt mit einer klaren Stellungnahme deutlich positioniert und nahm sogar deutschlandweit eine Vorreiterrolle ein. Konstruktiv wurden dort einige Maßnahmen kritisiert und immer wieder auf die notwendige Verhältnismäßigkeit von Maßnahmen hingewiesen. Wir wünschen uns, dass diese Verhältnismäßigkeit auch bei unseren Gästefans angewandt wird. Es ist uns klar, dass die derzeitige mediale Lage im Allgemeinen und die Situation von Eintracht Frankfurt im Speziellen einen öffentlichen Druck aufbauen, der unseren Verein in einen gewissen Zugzwang bringt. Jedoch sollten auch in diesen Situationen die Grundsätze eingehalten werden, die man bei den Ausarbeitungen zum DFL-Sicherheitspapier festgestellt hat. Langfristig ist mit einer kontinuierlichen Fanarbeit unter Beachtung von Angemessenheit und Verhältnismäßigkeit mehr zu erreichen.

Verletzte Gästefans können nicht der Preis dafür sein, dass man der Öffentlichkeit verkaufen kann, man habe alles für die Sicherheit getan. Wenn die Verhinderung bengalischer Feuer zu sicherheitsgefährdenden Situationen mit vielen Verletzten führt, sollten diese Konzepte grundlegend überdacht werden.

Für uns ist es ein wesentlicher Teil von Fanarbeit, auch den Umgang mit Gästefans im eigenen Stadion kritisch zu betrachten. Im beschlossenen DFL-Sicherheitspapier gibt es immer noch einige Punkte, die stark zu kritisieren sind. Diese betreffen im Wesentlichen mögliche Kontrollen, aber auch andere Maßnahmen im Umgang mit Gästefans. Hier ist jede deutsche Fanszene gefragt, daran zu arbeiten diese Maßnahmen für die jeweiligen Gästefans zu verhindern. Es ist nicht zielführend, dass Vereine zu solchen unverhältnismäßigen Maßnahmen greifen müssen, nur um sich später vor der Polizei, den Behörden und der Öffentlichkeit rechtfertigen zu können.

Um in diesem Thema konstruktiv an einer Verbesserung zu arbeiten und auch Eintracht Frankfurt die Möglichkeit zu geben zu den Vorfällen Stellung zu beziehen haben wir die Eintracht Frankfurt Fußball AG gebeten, zeitnah einen Fanbeirat zum Thema „Umgang mit Gästefans in Frankfurt“ einzuberufen. Wir werden über die Ergebnisse informieren und Euch bei diesem Thema weiter auf dem Laufenden halten.

 

 

Update 14. August 2013:

 

 

Gude Nordwestkurve,

in unserer Stellungnahme zum Umgang mit Gästefans in Frankfurt haben wir uns kritisch zur Behandlung der Gästefans geäußert und versprochen, Euch über die weiteren Entwicklungen zu informieren.

Inzwischen hat ein Fanbeirat zu diesem Thema stattgefunden, bei dem neben den Fanvertretern der Vorstand, die Fanbetreuung und der Sicherheitsbeauftragte der Eintracht Frankfurt Fußball AG sowie Vertreter der Polizei anwesend waren. In dieser Runde haben wir unsere Position und unsere Bedenken erneut deutlich gemacht.

Wir wollen und können an dieser Stelle nicht auf alle besprochenen Inhalte eingehen, möchten aber zwei Punkte hervorheben, die auch zentrale Bestandteile der Diskussion waren:


1. Kontrollraum vor dem Eingang zum Gästeblock

Seitens des Sicherheitsbauftragten wird eine zweite Kontrolle direkt vor dem Eingang in den Gästeblock als notwendig erachtet, da es im Waldstadion keinen separaten Gästeeingang gibt und nach passieren des Stadioneingangs die Möglichkeit bestehe, verbotene Gegenstände „aufzugreifen“. 

Bei dieser Kontrolle würden einzelne Fans „stichprobenartig“ in einen separaten Raum abgeführt. Der Raum werde genutzt, da es für eine Kontrolle „im freien“ keinen Platz gäbe. Man hat uns versichert, dass die für die Kontrolle ausgewählten Personen einen Zeugen mit in den Raum nehmen dürfen und dass es bisher noch keinen Fall gegeben habe, indem ein Fan nachweisbar auf unangemessene Art und Weise kontrolliert wurde.

Abgesehen von der Frage der Notwendigkeit einer zweiten Kontrolle sehen wir ein „Abführen“ einzelner Fans (aus der Gruppe heraus) in einen geschlossenen Raum als sehr problematisch an, da sich dies erstens negativ auf die Stimmung innerhalb einer Gruppe auswirken kann und dies zweitens sehr viel Raum für Spekulationen bereitet. Wir haben den Verantwortlichen daher nahe gelegt, eine Möglichkeit zu prüfen, die Kontrolle in einen einsehbaren Bereich zu verlagern, um mehr Transparenz zu schaffen. Es wurde uns versichert, dass dies geprüft wird.


2. Anbringen von Zaunfahnen

Noch einmal haben wir betont, dass für uns das Anbringen von Zaunfahnen ein elementarer Bestandteil der Fankultur darstellt. Dies wird seitens der Eintracht Frankfurt Fußball AG zwar genauso gesehen, jedoch wurde auf bestimmte Situationen verweisen, die ein Verbot in Einzelfällen notwendig machen würden, z.B. im Falle des Nürnberg-Spiel ein mögliches Szenario des Zündens von Pyrotechnik, begleitet vom Vorwurf, nicht alles für die Sicherheit getan zu haben.

Auch in Zeiten des Sicherheitswahns, in denen nahezu jedes Mittel zur Abwehr potentieller Gefahren gerechtfertigt zu sein scheint, darf das Verbot von Zaunfahnen kein Standard-Mittel werden, das eingesetzt wird, wenn mögliche Ordnungswidrigkeiten oder sonstige Verstöße drohen könnten. Es darf ebenfalls nicht als Druckmittel eingesetzt werden (Pyroverzicht gegen die Erlaubnis des Anbringens der Zaunfahnen). Diese Position haben wir deutlich zum Ausdruck gebracht.

Wir werden die Entwicklung weiter beobachten und uns, wenn nötig, wieder kritisch zu Wort melden.