HOME | Stellungnahmen | Spendenaktion von EFAG

NORDWESTKURVE Frankfurt zur Spendenaktion der Eintracht Frankfurt Fußball AG

Die allermeisten von euch werden es letzte Woche sicher mitbekommen haben, dass Eintracht Frankfurt Fußball AG eine Maßnahme veröffentlicht hat, wie sie die zunehmenden Strafen seitens des DFB einzudämmen gedenkt.

Heraus kam eine Idee, die ihresgleichen sucht.

Die Kurzfassung:

Eintracht Frankfurt spendet am Ende der Saison der Deutschen Knochenmarkspenderkartei (DKMS) 50.000 Euro. Diese Summe wird allerdings um den Betrag / die Beträge reduziert, welche aus eventuell bis Saisonende entstehenden weiteren Strafen des DFB in Richtung Eintracht Frankfurt resultieren.
Hinzu kamen (sinngemäße) Aussagen der Eintracht wie diese hier:  "Mit 50.000 Euro könne man eintausend Typisierungen durchführen, die schließlich auch jedem Fan oder dessen Angehörigen einmal das Leben retten könne..." Das ganze zudem untermalt mit der Grafik: Hier klicken für die Grafik

Der Nordwestkurve-Rat erfuhr von dieser "Idee" während eines gemeinsamen Treffens. Unsere Reaktion auf diese Meldung war Fassungslosigkeit!

Auch wenn wir an dieser Stelle der Eintracht nicht absprechen möchten, dass sie versucht, mit dieser Idee „neue Wege zu gehen" und die Spendenaktion als solches hehre Ziele verfolgen mag, so können wir nicht anders, als unsere umfassende Ablehnung gegenüber diesem Vorhaben zum Ausdruck zu bringen.


Wir halten die Spendenaktion nicht für durchdacht.

Sollte es – was wir alle nicht hoffen, aber niemand ausschließen kann – in den verbleibenden Spielen doch noch ein „Vorkommnis“ geben (und sei es auch noch so geringfügig), so wird dank der Spendenaktion das mediale Echo und die Aufmerksamkeit der Presse noch viel größer sein als ohnehin schon. Das positive Image, das sich Eintracht Frankfurt vielleicht mit der Spendenaktion erhofft haben mag, würde sich sofort ins Gegenteil verkehren. Eintracht Frankfurt stünde erneut am medialen Pranger, wegen ihrer "asozialen Fans", die nicht einmal zu Gunsten der Rettung todkranker Krebspatienten auf „Randale“ verzichten können.

Unterstützt wird das auch noch durch den fragwürdigen Umgang der Eintracht mit den Zahlen zu den bisher verhängten Geldstrafen. So war beispielsweise die in dieser Saison höchste Verurteilung von Eintracht Frankfurt durch das DFB-Sportgericht eine Gesamtgeldstrafe in Höhe von € 20.000, die verhängt wurde
a) für mangelnden Ordnungsdienst gegen Hansa Rostock (als eine Pyroshow der Rostocker [!] zu einer Spielunterbrechung führte), und
b) das Banner „Bomben auf Dynamo“ in der Gästekurve in Dresden.

Trotzdem wurde diese Geldstrafe in voller Höhe einberechnet, wenn es in den einschlägigen Werbebannern zur Aktion auf der Eintracht-Homepage hieß: „Diese Saison haben wir schon 1.100 Typisierungen verbrannt“.

Insgesamt sehen wir hier, dass eine selbstverständlich absolut unterstützungswürdige Organisation "missbraucht" wird, um Druck auf unsere Fanszene auszuüben, den vom DFB vorgegebenen Verhaltenskodex bei Fußballspielen unumstößlich einzuhalten. Jeder Verfehlung die der DFB bestrafen wird, führt also dazu, dass der DKMS "Geld weggenommen werden soll".  Dabei spielt es keine Rolle, was bestraft wird. Über das oben bereits erwähnte Banner kann man sicher diskutieren, es hätte jedoch in unseren Augen niemals zu einer Bestrafung seitens des DFB führen dürfen.

Wir verwehren uns dagegen, den Medien die Vorlage zu geben, eine Brücke zwischen dem möglichen Tod eines kranken Menschen und Eintrachtfans, die sich nicht DFB-konform verhalten, zu schlagen. Schlagzeilen die suggerieren dass Kinder, Frauen, Männer noch leben könnten, wenn Eintrachtfans nur auf dies oder jenes verzichtet hätten, dürfen nicht entstehen. Solche Zusammenhänge herzustellen ist in unseren Augen schlicht und ergreifend infam.
Ein nicht unerheblicher Teil der Menschen mit denen wir gesprochen haben, schämt sich genau wie wir dafür, dass unser Verein ein solches Vorhaben veröffentlicht hat und kranke Menschen instrumentalisiert, um Problemen entgegen zu wirken, für die es offensichtlich gänzlich an Lösungsansätzen fehlt.

Zusätzlich sehen wir in dem veröffentlichen Vorhaben das Problem, dass eventuelle Strafen des DFB bis zum Ende der Saison und der damit verbundenen Reduzierung der Spendengelder, zu einer weiteren Spaltung unserer Fanszene führen könnte.

Unsere bisherigen Erfahrungen zeigen eindeutig, dass Verfehlungen im Sinne des DFB, die bei Spielen der Eintracht durch ihre Anhänger verursacht wurden, fast ausnahmslos einer Gruppe zugeordnet werden, vollkommen unabhängig davon, ob diese von dieser Seite initiiert wurden oder nicht. Wir sprechen hierbei klar von dem Problem, dass in Teilen unserer Kurve das Denken fest verwurzelt scheint, dass Strafen, die Eintracht Frankfurt auferlegt bekommt, einzig durch Fehlverhalten von Mitgliedern von Ultras Frankfurt verursacht werden.

Eins der Hauptziele des Nordwestkurve-Rats ist es ja aber, genau solche Gräben schmälern zu wollen und eine vernünftige Diskussionskultur zwischen den verschiedenen Teilen der Nordwestkurve zu etablieren. Mit einem Vorhaben wie der von Eintracht Frankfurt veröffentlichten Spendenaktion sehen wir dieses Ziel massiv gefährdet, zumindest aber deutlich erschwert.

Kritisch anzumerken ist schließlich auch noch, dass die Eintracht vor der Bekanntgabe ihrer Spendenaktion mit keinem einzigen Fanvertreter oder Fanorganisation Rücksprache gehalten oder gar über diese ein Meinungsbild der Fans eingeholt hat. Wir empfinden das umso unverständlicher, als die Pressemitteilung nur wenige Tage vor dem schon länger angesetzten Treffen des Fanbeirats am 20.3. herausgegeben wurde.
Aus unserer Sicht wurde damit eine große Chance vertan; man hätte die Spendenaktion durchaus im Kreis der relevanten Fangruppen diskutieren können und sollen.

Auch von anderen Fanszenen und Nachrichten-Internetportalen wird diese Spendenaktion durchaus kritisch gesehen.

The Unity (Dortmund) präsentierten z.B. beim letzten Heimspiel ein Banner mit der Aufschrift: "SGE: DKMS RETTET LEBEN - DAMIT SPIELT MAN NICHT!"
Zu sehen hier: Banner zum Thema DKMS

Chosen Few (Hamburg) veröffentlichten einen Text, der u.A. Bezug zu diesem Thema aufweist und in dem Unverständnis über dieses Vorhaben ausgedrückt wird.
Zu lesen hier: Wenn ihr zündet stirbt dieser kleine Hund

Auf der Blog-Seite publikative.org wurde ein Artikel präsentiert, der aus journalistischer Sicht aufzeigt, dass dieser Weg nicht der Richtige sein kann.
Zu lesen hier: Die Ethik der Erpressung

 


Nordwestkurve-Rat