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Offener Brief an den FC Ingolstadt - Nordwestkurve Frankfurt gibt Tipps in Fanfragen

 

Lieber FC Ingolstadt,

wir möchten euch zuerst einmal in der Bundesliga begrüßen. Man kann euch, als Verein des VW-Konzerns, sicherlich nicht unbedingt als kleinen Verein bezeichnen. Als einer der 14 Vereine, die der VW-Konzern in den ersten beiden Ligen unterstützt, könnt ihr euch sicherlich heimisch fühlen. Unsere Niederlage in Ingolstadt war so schmerzlich wie verdient, so schmerzlich wie Niederlagen nun mal sind. Ihr habt nun einen tollen Start hingelegt und habt große Chancen die Klasse zu halten. Aber es soll heute nicht um die sportlichen Aspekte des Tages gehen.

Vielmehr möchten wir euch, als große und aktive Fanszene, ein paar Ratschläge geben. Sportlicher Erfolg ist nämlich nicht immer alles. In Fragen der Fankultur und speziell bei sicherheitsrelevanten Fragen, solltet ihr euch ab und an dann doch mal den Spiegel vorhalten. Ihr seid noch immer „nur“ der FC Ingolstadt. Eure Fans, die sich vielleicht irgendwann mal zu einer richtigen Fanszene formen werden, sind für jeden großen, traditionsreichen Verein völlig uninteressant. Weder besteht dort eine Rivalität, noch irgendeine Absicht zu Gewalttätigkeit. Das klingt nun vielleicht ein wenig arrogant, aber es ist nun mal so.

Leider beobachtet man immer wieder, dass kleine oder unerfahrene Vereine bei Spielen gegen die "gefährlichen Vereine" in einen peinlichen Wahn verfallen. Das liegt im Regelfall irgendwo zwischen Unkenntnis, Panik und heimlicher Großmannssucht. Nicht nur in der Liga, auch im DFB-Pokal nimmt man solche Dinge oft wahr. Ein großer Verein kommt und diese Vereine werden panisch! Offenbar denken sie, es drohen Szenen, die sie aus der übertriebenen Berichterstattung um das letzte Derby des Gastes kennen. Insgeheim spielt aber auch immer ein wenig heimliche Freude mit, eine Profilneurose, endlich mal im großen Fußballgeschäft mitspielen zu dürfen. Endlich kann man im Sicherheitsbereich mal richtig auffahren, sich beweisen. Und das geht natürlich nur mit harter Hand und den großen Kanonen. So mancher Einsatzleiter und Sicherheitsbeauftragter freut sich nun endlich mal einen großen Einsatz leiten zu dürfen. Aber liebe kleine Vereine: Ihr seid noch immer die FV Illertissens und FC Ingolstadts dieser Welt. Euch droht gar nichts!
Die Fans der großen Vereine wollen einfach nur ihre Mannschaft unterstützen, vielleicht mal ein neues Stadion sehen und schnellstmöglich wieder verschwinden.

Eines solltet ihr Wissen: So wie ihr ein Spiel betrachtet und angeht, so geht es auch vonstatten. Warum man zu einem Spiel, wie am vergangenen Wochenende, Hundertschaften des berüchtigten USKs ankarren muss, verstehe wer will. Dass diese sich gerne verhalten wie die buchstäbliche Axt im Wald und in anderen Staatsformen eindeutig besser aufgehoben wären, ist nun keine Neuigkeit. Redet man diesen „jungen, motivierten“ Einsatzkräften noch ein, dass da nun ein Risikospiel stattfindet, verhalten sie sich nicht unbedingt entspannter. Provozierte Auseinandersetzungen sind die Folge solcher Polizeitaktiken. Die Quote eines völlig unsinnigen Einsatzes scheint wohl erfüllt werden zu müssen, das zeigt schon die Zahl angeblicher Beleidigungsdelikte. Die Presse springt auf derartige Schlagzeilen in der Polizeipresse, die Polizei habe "viel zu tun gehabt" aber natürlich gerne an. Im Gegensatz zu euch kennen wir unsere Fanszene und auch ihr Gewaltpotenzial sehr genau. Wir können euch versichern, hättet ihr an diesem Tag zwanzig unbehelmte Polizisten an den Rand gestellt, hättet ihr den ruhigsten Tag der Saison verlebt.

Die Polizei wird in den Vorbesprechungen von euch instruiert, setzt ihr ein Risikospiel an, so nimmt dort alles Weitere seinen gewohnten Gang. Und das bedeutet üblicherweise nichts Gutes, speziell in Bayern. Ab diesem Zeitpunkt seid auch ihr machtlos, das kann euch niemand vorwerfen, heraufbeschworen habt ihr solche Situationen allerdings sehr wohl.
Wofür ihr aber direkte Verantwortung tragt, sind die Zustände bei eurem Ordnungsdienst. Wieso eigentlich meint ihr dort eine Einheit des Ordnungsdiensts aufstellen zu müssen, die mit der Beschriftung „Special Force“ auf dem Ärmel rumlaufen muss? Das ist irgendwann nur noch peinlich. Gerade wenn man diese einkleidet, als kämen sie aus einer glücklicherweise überwundenen deutschen Epoche.
Der Chef eures Sicherheitsdienstes, der sich eher gab wie ein Provinzfürst mit ausgeprägtem Geltungsbedürfnis, ist also der Meinung, dass man eine optische Aktion mit Papierschnipseln verbieten muss, sodass diese einzeln eingeschmuggelt werden mussten, wobei ein beträchtlicher Teil es eben nicht ins Stadion schaffte. Ebenso möchte man gerne eine kleine Kiste mit Zetteln im DIN A8 Format einkassieren, auf denen der Text eines neuen Liedes steht. Begründung: „So etwas möchten wir hier nicht!“ Vielleicht setzt bei euch irgendwann einmal ein Nachdenken ein, ob solche völlig unsinnigen Law-and-Order-Haltungen angebracht sind, oder ob sie zu Konflikten führen, die es unter normalen Umständen nie gegeben hätte.

Vermutlich zieht ihr euch nun an den Schreckensmeldungen über die „Ausfälle“ der Eintracht-Fans hoch und fühlt euch sogar noch bestätigt in eurem Tun. Wir geben euch nur den einfachen Rat: Genießt eure Zeit in der Bundesliga, entspannt euch! Ihr seid nun mal für einen Großteil aller Bundesligisten völlig uninteressant, auch wenn ihr es nicht wahrhaben wollt. Und gerade weil euch gegenüber niemand feindlich gestimmt ist, solltet ihr irgendwann auch erkennen, dass ihr dort einen völlig unnötigen Affentanz veranstaltet. Wenn selbst die "Szenekundigen Beamten (SKBs)" aus Frankfurt ratlos und kopfschüttelnd meinen, "Das ist alles völlig unverhältnismäßig und überzogen hier, aber was sollen wir machen?", will das etwas heißen.

Wir hoffen euch mit unseren gut gemeinten Ratschlägen in Zukunft einiges an Ärger ersparen zu können. Für euch und für den Freistaat Bayern ist diese Erkenntnis bares Geld wert, ihr müsst nur über euren Schatten springen und euch ein wenig selbst reflektieren. Nun ist ja auch glücklicherweise nichts Weltbewegendes vorgefallen, was euch nachhaltig beschäftigen wird, ein wenig Objektivität sollte also durchaus drin sein.

In großer Vorfreude auf unser nächstes, völlig entspanntes, Gastspiel in Ingolstadt

Euer Nordwestkurve-Rat