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Stellungnahme zur Ganz- körperkontrolle in München

Liebe Eintrachtfans, liebe Auswärtsfahrer,

mit Fassungslosigkeit haben wir von den Plänen der Münchener Polizei vernommen, zum morgigen Spiel Zelte für Voll- / Ganzkörperkontrollen am Gästeeingang zu errichten.

Fakt ist,

- dass es bei allen bisherigen Begegnungen der Eintracht in der Allianz Arena noch nie zum Abbrennen von Pyrotechnik gekommen ist,
- dass zwischen den Fangruppen des FC Bayern und jenen der Eintracht keine besondere Rivalität besteht,
- dass es bei allen bisherigen Begegnungen der Eintracht in der Allianz Arena noch nie zu Ausschreitungen oder nennenswerten sicherheitsrelevanten Ereignissen gekommen ist.

Fakt ist weiterhin, dass es nicht den geringsten Anhaltspunkt dafür gibt, dass ausgerechnet morgen ein Einsatz von Pyrotechnik beabsichtigt wäre.

Für die vom FC Bayern und der Münchener Polizei beabsichtigte, in höchstem Maße entwürdigende Maßnahme fehlt es an jedem sachbezogenen Anlass. Es handelt sich in unseren Augen um eine reine Schikane. Diejenigen, die dafür verantwortlich sind, wollen offenbar jeglichen Ansatz von Dialog und Entspannung torpedieren, der gerade im Zuge der Diskussion um das DFL-Papier „Sicheres Stadionerlebnis“ zwischen Vereinen, Verbänden und Fans zaghaft begonnen wurde.

Wir Eintrachtfans stehen durch diese Maßnahme vor einer ganz schweren Situation:

Einerseits müssen wir deutlich machen, dass wir mit dem Kauf einer Eintrittskarte nicht auf unsere Menschenrechte verzichten. Wir müssen deutlich machen, dass wir uns nicht unbegrenzt drangsalieren lassen und dass wir grundlose entwürdigende Maßnahmen nicht über uns ergehen lassen. Wenn man uns – oder auch „nur“ einige von uns – zwingen will, uns ohne jeden konkreten Verdacht vor einem Stadionbesuch auszuziehen und von Ordnern oder Polizisten in die Körperöffnungen schauen zu lassen, dann können wir nicht so tun, als sei nichts passiert. Das heißt für uns:

So lange die Zelte aufgebaut sind, können und werden wir das Stadion nicht betreten!

Andererseits dürfen wir keinesfalls Anlass dazu geben, dass es zu Ausschreitungen oder Auseinandersetzungen mit der Polizei kommt. Daher gilt zugleich:

Unser Protest muss friedlich bleiben!

Keinesfalls darf irgendetwas geworfen werden, und auch jegliche Beleidigungen der gewiss zahlreich anwesenden Polizei sind unbedingt zu unterlassen. Damit würden wir nur einen Vorwand für ein „polizeiliches Einschreiten“ liefern, das zweifellos zu Schlagstock- und Tränengaseinsatz, Festnahmen und Verletzten und schließlich zu Schlagzeilen über randalierende Eintracht-Chaoten führen würde. Das würde nur denjenigen helfen, die sich diese Schikanen ausgedacht haben. Deshalb, so schwer es auch in bestimmten Situationen fallen mag: Lasst Euch nicht provozieren, bleibt friedlich, beherrscht Euch.

Frankfurt, den 9.11.2012

Der Nordwestkurve-Rat