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Nordwestkurve Frankfurt zum scheidenden Hessischen Innenminister Peter Beuth

Es ist einmal mehr passiert, Peter Beuth hat seine Ahnungslosigkeit zum Thema Fußballgewalt in aberwitzigen Forderungen nach härteren Gesetzen zum Ausdruck gebracht. Das ist leider nichts Neues, wie unser offener Brief an ihn aus dem Jahr 2017 zeigt:

http://www.nordwestkurve.net/index.php/neuigkeiten/160-offenerbriefpeterbeuth

 

Aktuell fordert Peter Beuth zum einen, Fußballfans beispielsweise polizeiliche Begleitung von Bussen in Rechnung zu stellen. Zum anderen möchte er das Sprengstoffgesetz so ändern, dass aus der Ordnungswidrigkeit Pyrotechnik zu zünden, eine Straftat wird, die nach seinen Vorstellungen mit mindestens einem Jahr Haft geahndet werden soll.

 

Es ist bekannt, dass Peter Beuth von Fußballfankultur keinen blassen Schimmer hat, doch die aktuellen Forderungen sind selbst für ihn herausragend unsinnig. Da konterkariert er, was alle Fanforscher und auch Polizisten, die sich mit dem Thema auskennen, wünschen: eine geballte Anreise von Fans in organisierten Bussen. Fragt man jeden szenekundigen Beamten, jede Einsatzleitung einer Fußballstadt, sie alle wünschen sich am liebsten die Anreise mit Bussen. Dabei bleibt der Regelzugverkehr ungestört, die Züge sind nicht überfüllt, des Weiteren sind Busse für die Polizei viel besser zu kontrollieren als Autos.

Beuths reflexartige Forderung zeigt einmal mehr, dass er lediglich dem Stammtischpublikum nach dem Mund reden möchte, mit absurden Forderungen, die man nach einer Minute Nachdenken bei Seite legen würde. Zu Recht wird er bei szenekundigen Institutionen, bei Vereinen und speziell den Fans gleichermaßen verlacht.

 

Das Thema Pyrotechnik nur wegen seiner Äußerung überhaupt anzudiskutieren ist sinnlos. Zu weit weg ist seine Forderung von jeglicher Realität, die verschiedenen Ansichten sind ohnehin bekannt. Vom Status einer Ordnungswidrigkeit zu einer Straftat zu kommen, die mit Gefängnis bestraft wird, ist selbst für Beuths Kompetenzstufe absurd, wenn man bedenkt, dass noch vor kurzer Zeit über eine Legalisierung im Sinne eines kontrollierten Gebrauchs diskutiert wurde.

Was allem die Krone aufsetzt, das ist, wenn jemand wie Beuth sich erdreistet, zu definieren, was Fankultur ist und was nicht. Pyrotechnik ist weltweit ein fester Bestandteil von Fankultur, in jedem Land, in jedem Stadion mit einer aktiven Fanszene. Man kann es ablehnen oder nicht, die Deutungshoheit über Fankultur liegt aber sicher nicht bei populistischen Dampfplauderern aus der Politik!

 

Schaut man hinter die Fassade, wird klar: Es handelt sich um nichts anderes, als seine Positionierung für die Vergabe der Ministerämter. Er ist auf diesem Gebiet der inkompetenteste Innenminister, den wir in Hessen je hatten. Jegliche Experten zum Thema Fankultur verdrehen bereits die Augen, wenn nur sein Name fällt. Ahnungslose Populisten gibt es in der Politik viele, dass er aber nicht mal davor zurückschreckt, für seinen eigenen Privatwahlkampf eine Eskalation im Stadion zu provozieren, ist dann nochmal eine ganz andere Hausnummer. Nicht anders zu erklären ist das Großaufgebot an Polizei beim gestrigen Spiel gegen Schalke. Polizeieinheiten sind zwischenzeitlich sogar, ohne dass es jegliche Vorfälle gab, vor der Nordwestkurve aufmarschiert und haben diese sogar zwischenzeitlich betreten – ein außergewöhnlicher Vorgang und insbesondere ein extremer Affront für jede Fankurve, speziell wenn es nicht im Ansatz sicherheitsrelevante Vorfälle gab. Dies wurde offensichtlich gezielt angeordnet und mögliche Auseinandersetzungen wurden dabei nicht nur in Kauf genommen, sondern vermutlich sogar gewünscht. Profit daraus hätte schließlich Beuth bei seiner Positionierung für das Ministeramt schlagen können. Und für seinen eigenen Auftritt bei der Innenministerkonferenz Ende des Monats, bei der er sich sicherlich wieder als der größte Hardliner unter den Kollegen profilieren möchte.

 

Es bleibt nur zu hoffen, dass sich bei einer entsprechenden Regierungsbildung die relevanten Personen in den Polizeispitzen und im Ministerium endlich positionieren und ihre Hoffnung nach einem kompetenten Innenminister sich erfüllt

Der Nordwestkurve-Rat