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Bewusste Provokation und massive Polizeigewalt am Düsseldorfer Hauptbahnhof

 

Am Samstagabend kam es im Düsseldorfer Hauptbahnhof zu einem massiven Zusammenstoß zwischen Eintracht-Fans und einer berüchtigten BFE-Einheit aus Sankt Augustin.

Bereits seit den frühen Morgenstunden fuhren einige Hundert Eintracht-Fans mit Regelzügen nach Mönchengladbach, die Atmosphäre war ruhig und entspannt. Nach dem Spiel wurden die Fans von der besagten Einheit begleitet, bereits im Regelzug von Rheydt nach Düsseldorf zeigten sich einige Polizisten äußerst aggressiv und provokant. Auf dem Hinweg gab es keine Begleitung durch Polizeikräfte, entsprechend auch keine Gewalt oder bedrohliche Stimmung.

Beim Umstieg in Düsseldorf gab es, auch durch eine Zugverspätung, einen gewissen Aufenthalt. Teile der Fans gingen bereits zum Gleis, andere versorgten sich mit Getränken, oder gingen nochmal auf den Bahnhofsvorplatz. Die Situation war auch hier entspannt, gegnerische Fans waren ebenfalls nicht vor Ort.

Zur Eskalation kam es dadurch, dass sich ein gewisser Teil der Fans schon auf dem Gleis befand, eine größere Gruppe jedoch noch in der Bahnhofshalle verweilte. Aus unverständlichen Gründen wurde diese Gruppe nicht zum Gleis zu den wartenden Fans gelassen, der Aufgang wurde stattdessen unsinnigerweise durch eine Polizeikette versperrt. Gleichzeitig liefen weitere Polizisten von hinten an die Gruppe heran und drängten sie in Richtung des versperrten Aufgangs. Es entstand eine unvermeidliche Drucksituation, die Stimmung heizte sich auf und binnen Sekunden fingen die Polizisten an, mit Knüppeln auf die Fans einzuschlagen. Es kann nur von einer gewollten und bewusst herbeigeführten Eskalation gesprochen werden. Auch Augenzeugenberichte von Personen, die mitbekamen, wie sich die Einheit für den Einsatz "einstimmte", legen dies nah.

Die Situation schien sich zunächst wieder etwas zu beruhigen, doch die Polizisten blieben weiterhin beleidigend und provozierend. Wenige Minuten später öffneten sie die irrsinnige Absperrung und die Fans konnten zu den wartenden Fans. Als die Fangruppe sich nach oben begab, kam es zu Wortgefechten zum Sinn der Maßnahme, welche in einem weiteren Gewaltexzess der Polizisten gipfelte: Fans lagen am Boden und wurden abgeschirmt brutal verprügelt, so dass der Boden des Bahnhofs übersät war mit Blutspuren. Die Polizisten trieben die Fans die Treppe nach oben, wobei es dann auch zu massiven Reaktionen der Eintracht-Fans kam. Dieser Teilausschnitt der Vorfälle findet sich dann auch in den Polizeiberichten wieder. Im Bereich des Aufgangs zum Gleis sowie im Gleisbereich spielten sich nun Jagd- und Prügelszenen ab.

Einige Polizisten äußerten offen ihre Freude an Faust- und Knüppelschlägen. Im Schutze der fehlenden Kennzeichnung sowie der Sturmhauben konnte sich diese Einheit, nicht zum ersten Mal, in einen wahren Gewaltrausch steigern. Letzten Endes wichen die Fans zurück und die Polizei positionierte sich auf dem Gleis. Der nun ankommende Zug wurde bestiegen und die Polizei begleitete diesen.

Im Zug setzten sich die Provokationen weiter fort. Einzelne Gruppen junger Polizisten liefen immer wieder durch den Zug, beleidigten und provozierten Eintracht-Fans, bedrohten sie mit Schlägen und nutzen verbale Reaktionen, um diese sofort anzuzeigen. Dies wurde durch einige junge Beamte offen geäußert, die durch den Zug liefen und Dinge von sich gaben wie „Wir finden schon noch ein paar Dumme, die sich anzeigen lassen“. Hierbei kam es zu teils massiven Übergriffen auf Fans. Sogar Fans, die andere Verbindungen genommen hatten und – beispielsweise in Köln – in diesen Zug einsteigen wollten, wurden mit Worten wie „Komm ruhig rein, dann kann ich dir gleich in die Fresse hauen“ begrüßt. Sogar ein Mitarbeiter des Frankfurter Fanprojekts wurde bei seinen Vermittlungsversuchen durch die Einsatzkräfte verletzt. Diese für ihre skrupellose Gewalttätigkeit berüchtigte Einheit fiel nicht zum ersten Mal negativ auf.

Anzeigen gegen Polizisten werden leider als das angesehen, was sie sind: aussichtslos. Da die Pressemeldung der Polizei, wie gewohnt, nur dazu dient, das polizeiliche Fehlverhalten zu rechtfertigen, sehen wir uns gezwungen, uns dazu zu äußern. Wir sind uns dabei bewusst, dass dies nichts ändern wird, weder wird Kritik an Polizeieinsätzen als gerechtfertigt angesehen, noch wird dem im Regelfall geglaubt. Zu einer Änderung des polizeilichen Verhaltens wird es natürlich nicht kommen, da an dieser Stelle keine Fehlerkultur herrscht, sondern ein absurder und undemokratischer Korpsgeist. Unterstützt wird dies durch Lobbyisten aus Politik und Polizeigewerkschaften, die immer wieder ernsthaft behaupten, die geringe Verurteilungsquote deutscher Polizisten bei Anzeigen sei ein Beweis für deren gute Arbeit. Diese Handhabung befördert, nicht nur bei Fußballfans, ein Klima der Ablehnung, des Hasses und provoziert Gewalt. Vorfälle wie der am Wochenende konterkarieren ebenso jegliche Versuche einer zielgerichteten Fanarbeit, welche Gewaltprävention zum Ziel hat.

Diese völlig unnötige und gewollte Eskalation lässt uns ratlos zurück, da wir eine weitere Abgrenzung der Fußballfans von der Polizei sehen.

Zweifellos kam es in Folge der gewollten Eskalation auch zu Gewalt der Fans. Im Zuge der einseitigen Berichterstattung der Polizeipresse und der Ausmaße dieses Vorfalls wäre es jedoch völlig grotesk, diese Reaktionen in einem besonderen Maße anzuprangern; so wie die bundesweiten Fanorganisation immer wieder versuchen auch selbstkritisch zu argumentieren, leider exklusiv.

Da gewalttätige Polizisten grundsätzlich gedeckt werden und die Gewalt einiger Einheiten eine selbstverständliche Systematik erreicht hat, können wir nichts tun, als dies anzuprangern und vor einem weiteren Aufschaukeln der Situation mit einem erheblichen Anstieg der Ablehnung des Hasses gegenüber der Polizei zu warnen. Wir sind nicht so blauäugig, zu fordern, dass die Voraussetzungen für faire Ermittlungen gegen gewalttätige Polizisten endlich geschaffen werden, dies ist ein Kampf gegen Windmühlen, dabei wäre es eine echte Chance das verlorenengegangene Vertrauen in der Bevölkerung ein Stück weit zu erneuern.

Das Auftreten dieser Einheit erinnerte an längst überwunden geglaubte Formen paramilitärischer Kampforganisationen, die auf eine besonders perverse Art und Weise ihre Macht ausnutzen. Das Gefühl der Hilflosigkeit, mit dem dieser Einsatz die Fans zurückließ, der Gewalt ausgeliefert zu sein, ohne dagegen vorgehen zu können, macht uns große Sorgen. Uns wundert die absurde Berichterstattung der Polizeipresse nicht einmal mehr, wir erwarten kein Schuldeingeständnis, nicht einmal eine minimale Geste. Derartige Einheiten werden weiterhin gedeckt und durch die fehlende Fehlerkultur in ihrem Tun bestärkt. Das resultierende Klima wird es jedoch sein, welches die Arbeit für eine positiv besetzte Fankultur maßgeblich erschwert.

Der Nordwestkurve-Rat am 17.03.2016